Staatstheater Nürnberg
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Das Ka­bi­nett der ver­ei­nig­ten Ver­gan­gen­hei­ten (UA)

von geheimagentur und Ensemble

Sonntag, 27.01.2019

20:00 - 22:00 Uhr

Anschließend Publikumsgespräch

3. Etage

Als Gäste begrüßen wir heute:
Petra Noseck-Bock und Nicoletta de Rossi, Journalistinnen, fresh-fashion Club (www.fresh-fashion.club)
Bernd Schramm, Regisseur (Theater Ansbach) und Inspizient (Staatstheater Nürnberg)

Kabinett der Vereinigten Vergangenheiten 01

1918 - 1968 - 2068: Was fordert die Vergangenheit von der Gegenwart für die Zukunft? Die geheimagentur verwandelt die 3. Etage in einen realutopischen Raum, in dem Stimmen regionaler Recherche, der Weltgeschichte und -literatur und die des anwesenden Publikums zu wirklicher politischer Debatte zusammenfinden.

Beschreibung

1918 – 1968 – 2018… 2068? Blicken wir von 2018 aus zurück, jähren sich revolutionäre Beben im 50-Jahres-Abstand. Was für eine Revolution wäre heute fällig? Und trauen wir uns – wie die vergangenen Revolutionäre – entschieden in die Zukunft zu denken? Heute zu erfinden und zu erkämpfen, was 2068 Jubiläum feiern könnte?

Politisch haben wir im Jahr 2018, so scheint es, mit der Gegenwart genug zu tun. Aber was, wenn es sich genau umgekehrt verhält? Angenommen das Politische ist uns in Wirklichkeit unmerklich abhanden gekommen, weil wir vergangenheits- und zukunftsvergessen geworden sind, nur noch in der Gegenwart leben. Politik aber, die Gestaltung unseres Lebens in Gesellschaft, geht nur aus dem Wissen um die Vergangenheit heraus, den Blick in die Zukunft gerichtet. Wir brauchen also wieder mehr Vergangenheit!

Das Künstlerinnen-Kollektiv geheimagentur lässt Situationen, Einrichtungen, Institutionen entstehen, die wie Fiktionen erscheinen und dann doch die Realitätsprüfung bestehen. In der 3. Etage des Staatstheaters lädt sie nun, knapp hundert Jahre nach dem kurzen Frühling der Räterepublik, alle Nürnbergerinnen ein, ihrer Vergangenheit eine Stimme für die Zukunft zu geben. Werden Sie Teil des Kabinetts der Vereinigten Vergangenheiten! Denn mit Ihnen kann eine reale Utopie mitten in Ihrer Stadt entstehen.

Aus regionaler Recherche, den Biografien einzelner und den Geschichten anderer, aus Historie, Weltliteratur und Ihrer Stimme entwickeln sich Entwürfe und Visionen für die Zukunft. Im Dazwischen von aktivistischem Camp und Parlament, Wandzeitung und Redner*innenliste, Performance, Theater und politischer Versammlung kreiert die geheimagentur jeden Abend neu gemeinsam mit allen Anwesenden eine Form politischer Debatte, in der die Zukunft Raum hat, aus der Vergangenheit zu uns zu sprechen.

Weitere Termine & tagesaktuelle Besetzung

Januar 2019

Februar 2019

Tagesaktuelle Besetzung am 27. Januar 2019

Zusätzliche Informationen

Bitte beachten Sie, dass im Schauspiel in der Regel weitere Vorstellungstermine in Planung sind.

Ihr Wunschtermin ist dabei, aber noch nicht im Vorverkauf? Kein Problem, Sie können Ihre Karten vormerken lassen!

Die Kolleg*innen der Theaterkasse werden Sie dann entsprechend kontaktieren.

Nennen Sie uns dafür einfach den gewünschten Termin:

per E-Mail: info@staatstheater.nuernberg.de
oder telefonisch unter +49-(0)180 / 1-344-276
(Festnetz 3,9 ct/Min; Mobilfunk bis 42 ct/Min)

Fotos
Pressestimmen
Süddeutsche Zeitung

"Was fehlt dann noch beim Start? Die Bürgerbeteiligung. Deshalb gründet die Geheimagentur mit den Zuschauern das 'Kabinett der Vereinigten Vergangenheiten', das für den behaupteten Stadtstaat Nürnberg Vorschläge zur Verbesserung von Politik, Gesellschaft und Leben einbringen wird (...). Bei der ersten Sitzung verblüfft die Schauspielerin Adeline Schebesch mit ungeheuren Kenntnissen und rhetorischer Begabung. Wenn die mal nicht mehr spielen mag, macht sie Karriere in der Politik."

  • Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung
Nürnberger Zeitung

"Für die 'Kabinettssitzung' liefern unter anderem Stefan Zweig, Oscar Wilde und (unvermeidlich) Bert Brecht Vorlagen. Das Ensemble hatte noch mehr davon vorgesehen, aber die Diskussion mit dem Publikum funktionierte bei der Premiere am Sonntag so lebhaft, dass spontan gestrichen wurde."

  • Herbert Heinzelmann, Nürnberger Zeitung
ERSTER BESCHLUSS DES KABINETTS

Geheime Presse-Agentur (gpa). Das Kabinett der Vereinigten Vergangenheiten hat in seiner Auftaktsitzung am 30.09. erste Eingaben für den sog. "Nürnberger Korb" überraschend kontrovers diskutiert. Nach einigen Abweichungen von der Tagesordnung konnte sich am Ende ein Vorschlag von Prof. Dr. Harald Bolsinger vom Zeit für Ethik e.V. knapp durchsetzen. Dieser wendet sich gegen die fragwürdigen Bedingungen, unter denen viele Spielwaren (größtenteils im Ausland) produziert werden. Das Kabinett nimmt daher die größte Spielwarenmesse der Welt in die Pflicht und ordnet den Ausschluss aller beteiligten Firmen, die bei der Produktion Menschenrechte mißachten, als Zielrichtline spätestens für das Jahr 2068 an. Vorbereitend sollen noch dieses Jahr unternehmensethische Handlungsempfehlungen zur Selbstverpflichtung erarbeitet und Vergünstigungen für vorbildlich agierende Unternehmen eingeführt werden. Das Kabinett tagt wieder am 11.10.; dann werden Horst Schneider von der evernordbank sowie Pierre Leich von der Nürnberger Astronomischen Arbeitsgemeinschaft zu Gast sein.

ZWEITER BESCHLUSS DES KABINETTS

Geheime Presse-Agentur (gpa). Das Kabinett der Vereinigten Vergangenheiten hat in seiner zweiten Sitzung am 11.10. weitere Verordnungen im Geiste vergangener politischer Kämpfe und im Sinne einer Verschönerung der Zukunftsaussichten gefasst. Diesmal konnte sich das Publikum gegenüber den Anträgen der geladenen Gäste mit einem ganzen Maßnahmenpaket durchsetzen: Beschlossen wurde das Ziel einer bis spätestens 2068 komplett auf „Räteproduktion“ umgestellten Grundversorgung der Nürnberger, insbesondere im Hinblick auf Lebensmittel. Vorbereitende Maßnahmen hierzu sind ein sofortiger Bebauungs- und Versiegelungsstop des fruchtbaren Knoblauchslands vor den Toren der Stadt; eine Verordnung zur Förderung von lokalem Anbau und FairTrade-Waren sowie die Ächtung sämtlicher Einfuhrgüter, die unter Verletzung der Menschenrechte produziert werden. Zur Weiterentwicklung des Knoblauchslands wird eine Kommission eingesetzt, die Strategien und Konzepte im Hinblick auf Ankauf, Ernennung zum „Bannland“, Renaturierung und genossenschaftliche Übereignung durch die Stadt erarbeiten soll.

DRITTER BESCHLUSS DES KABINETTS

Geheime Presse-Agentur (gpa). In seiner dritten Sitzung vom 13.10. hat das Kabinett der Vereinigten Vergangenheiten erstmalig die Tagesordnung komplett und ohne Zeitverluste abarbeiten können: Zeichen einer gewissen Professionalisierung der Regierungsgeschäfte. Im Zentrum standen diesmal Möglichkeiten zur Verbesserung der Wohnsituation. Das Kabinett erarbeitete hierzu wieder einen ganzen Maßnahmenkatalog: einmal mit fristgebundener Enteignungsoption leerstehender Immobilien durch die Stadt, einmal ohne. Kennzeichen, dass gegen Ende der Debatte Kontroversen um die Auslegung des Grundgesetz-Artikels „Eigentum verpflichtet“ aufkamen. Entsprechend fand eine andere Eingabe, nämlich die des Nürnberger Autors Theobald O.J. Fuchs, knapp die breiteste Unterstützung: Die Flutung des Frankenschnellwegs - der damit wieder zu seinen historischen Ursprüngen als Wasserader der Stadt zurückgeführt wird. Eine Maßnahme, die sich nahtlos an den Beschluss vom 11.10. anschließt. Es bleibt abzuwarten, wann das Thema Wohnen wieder auf die Agenda kommt. Gäste der kommenden Sitzungen werden am 28.10. die Gender-Forscherin Nadja Bennewitz (bennewitz-frauengeschichte.de) und Waldemar Graser vom Sozialmagazin Straßenkreuzer (www.strassenkreuzer.info) sein sowie am 30.10. die Schneiderin Marie-Luise Schneider (www.broemme-schneiderlein.com) und der Menschenrechtsforscher Prof. Dr. Markus Krajewski (www.humanrights-centre.fau.de).

VIERTER BESCHLUSS DES KABINETTS

Geheime Presse-Agentur (gpa). Der Austausch von Vergangenheit und Zukunft war in der vierten Sitzung des Kabinetts reger denn je. Unser Gast Waldemar Graser, Dichter und Mitarbeiter des Sozialmagazins Straßenkreuzer, entwickelte aus seiner eigenen Biografie heraus die Utopie von Nürnberg als deutscher Stadt der Liebe, was durch seine Erläuterungen als ein gar nicht so abwegiges Ziel erschien. Immerhin hat Nürnberg bereits eine Liebesinsel. Er erwärmte die Versammlung für seinen Vorschlag so sehr, dass er von ihr auf einen starken zweiten Platz gewählt wurde; geschlagen allerdings von einem Thema, das intensiv im Plenum diskutiert wurde: die Nutzung der Kongresshalle im Speziellen und des Reichsparteitagsgeländes im Allgemeinen. Nachdem verschiedene Positionen wie „Von der Natur überwuchern lassen“ und „Als Erinnerungsmonument im Ist-Zustand-Erhalten“ erörtert worden waren ging die Tendenz einer großen Mehrheit im Plenum zu einer Umnutzung unter dem Motto „Was hätte die Nazis geärgert?“. Zur Konkretisierung von gegenwärtige Plänen mit Vergangenheitsbezug die Zukunft haben wurde ein Gremium aus Künstlern, Architekten und Wissenschaftlern unter Ausschluss von Politikern angeregt.

FÜNFTER BESCHLUSS DES KABINETTS

Geheime Presse-Agentur (gpa). In seiner fünften Sitzung vom 30.10. hat das Kabinett der Vereinigten Vergangenheiten wieder geschichtsträchtige Arbeit geleistet. Die Anzahl der Eingaben wie die Intensität der Debatte haben merkbar zugelegt. Erneut standen u.a. zur Diskussion: ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Wohnsituation, die Einrichtung von Zukunftsschutzgebieten sowie weitere Ideen zur Umnutzung des Reichsparteitagsgeländes, insbesondere für kulturelle Zwecke. Prof. Dr. Markus Krajewski vom Zentrum der Menschenrechte Nürnberg-Erlangen brachte das Thema „Erst das Wasser, dann die Avocado“ ein. Bevor Wasser zum Luxusgut wird, gelte es schon jetzt vorbeugende Maßnahmen zur Sicherung des Grundbedarfs einzuleiten. Verabschiedet wurde am Ende aber etwas ganz anderes: Die Schneiderin Marie-Luise Schneider überzeugte das Kabinett mit ihrem Vorschlag für eine finanziellen Förderung der Nürnberger Handwerksbetriebe. Zusätzlich soll eine jährlich stattfindende „Woche des Handwerks“ Einblicke in das Schaffen von Handwerkern geben und den nächsten Generationen zeigen und beibringen, wie der Mensch aus eigener Kraft wunderbare Dinge erschaffen kann, die lange halten. Das Kabinett freut sich zur 6. Sitzung am 20.11. Sebastian Tröger vom Dokumentationszentrum und Jörg Lipp von Mehr Demokratie e.V. als Gäste begrüßen zu dürfen.

SECHSTER BESCHLUSS DES KABINETTS

(gpa). Das Kabinett der Vereinigten Vergangenheiten hat seine Sitzung vom 20.11. der Erkältungswelle zum Trotz wie geplant durchgeführt. Schwerpunkt war diesmal vor allem das Thema (kostenloser) öffentlicher Nahverkehr. Gemeinsam mit einer Eingabe von Jörg Lipp von „Mehr Demokratie e.V.“ für eine autofreie Altstadt wurde ein umfassender Maßnahmenkatalog erarbeitet, der auch eine faire Platznutzungsverteilung sämtlicher Mobilitätsarten sowie den Ausbau der U-Bahnen zu öffentlichen Begegnungs- und Diskussionszonen (nebst Handyverbot) vorsahen. Vermutlich wegen Letzterem setzte das Konzept sich bei der Schlussabstimmung dennoch nicht durch. Dafür brachte Sebastian Tröger, Künstler und wiss. Mitarbeiter am Dokuzentrum, die Ausrufung eines „Nullpunkts der Unzufriedenheit“ als Pilgerort in der Stadt ins Spiel. Ziel der Maßnahme wäre, eine Art utopischen Fixpunkt zu setzen, an dem sich der Kompass der eigenen Befindlichkeiten im Bezug auf öffentliche Diskussionen orientieren und „erden“ könnte. Am meisten Zustimmung erhielt jedoch letztlich die Eingabe von Adeline Schebesch. Sie forderte Maßnahmen gegen die Verwendung und Verschwendung von Plastik: einen Nürnberger Einfuhrzoll auf alle plastikverpackten Waren sowie Knöllchen für sorglose Plastikwegwerfer im öffentlichen Raum.

SIEBTER BESCHLUSS DES KABINETTS

(gpa). Die Kabinett der Vereinigten Vergangenheiten war am 11.12. erstmals bis auf den letzten Platz besetzt. Diesmal gab das Quellkollektiv Gesprächs-Impulse für zwei Eingaben: den einen für den Erhalt und die Förderung von sog. „Zukunftsschutzgebieten“, den zweiten zur „Flutung des Quelle-Areals mit Nürnbergern.“ Überhaupt ging es viel um bezahlbaren und den steigenden Einwohnerzahlen entsprechenden Wohnraum. Drei verschiedene Maßnahmenpakete zu „Wohnen und Immobilien“, die in ausgiebiger Diskussion erarbeitet wurden, wurden zur Abstimmung gebracht. Doch keine dieser Eingaben konnte sich am Ende durchsetzen. Stattdessen siegte ein anderes Thema, das in fast jeder Sitzung bisher auf die Agenda kam: kostenloser Nahverkehr, ergänzt um einen engagierten Ausbau des ÖPNV als Maßnahme auch gegen Landflucht und steigende Schadstoff-Emissionen.

ACHTER BESCHLUSS DES KABINETTS

(gpa). Die Kabinett der Vereinigten Vergangenheiten traf sich am 18.12. in kleinerer, aber umso angeregter diskutierenden Runde. Diesmal ging es sehr grundsätzlich um das Thema Demokratie, Teilhabe, Mitbestimmung: Gastimpulse kamen diesmal von Barbara Münzel, Organisatorin von Pulse of Europe e.V. sowie der Historikerin Nadja Bennewitz. Münzel schlug die Einführung von wöchentlichen „Demokratiestunden“ und „Demokratiespielen“ in Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen vor. Bennewitz forderte einen Kurswechsel in der Erinnerungskultur im Hinblick auf mehr Geschlechtergerechtigkeit und Diversität – konkret festgemacht an dem Beispiel des aktuellen Männerüberschusses bei Straßennamen. Auch das Thema Wohnen stand (wie bisher noch jedes Mal) auf der Agenda und schlug sich in der Forderung nach einem „Grundrecht Wohnen“ nieder. Daneben wurde die Ausrufung eines „Freistaats Nürnberg“ gefordert - mit dem Hinweis, eine solche „Republik“ wieder als Staatsform im Interesse der Vielen, „Demokratie“ wiederum eher als den politischen Prozess der Mehrheitsbeschaffung zu verstehen. Münzels Vorschlag zur Demokratiestunde lieferte sich am Ende ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Eingabe des Publikums, Arbeitsplätze im sozialen Bereich deutlich besser zu fördern und finanziell abzusichern. Diese letzte Eingabe gewann dann schließlich auch die Stichwahl.

NEUNTER BESCHLUSS DES KABINETTS

(gpa). Das Kabinett der Vereinigten Vergangenheiten tagte am Dreikönigstag in kleiner, intensiv debattierender Runde. Zu Gast waren diesmal fünf Mitglieder der HEROES Nürnberg; einer Initiative gegen Unterdrückung im Namen der Ehre und für geschlechtliche Gleichberechtigung. Mit einer kleinen Szene veranschaulichten sie ihr Konzept. In Peer-to-Peer-Workshops vermitteln junge Männer, die in Ehrkulturen aufgewachsen sind, wie man sich von jeglicher Unterdrückung im Namen der Ehre emanzipieren kann und sich darin bestärkt eine reflektierte, selbstbestimmte Identität auszubilden, die sich an den Maßstäben der Menschenrechte orientiert. Neben diesem beeindruckenden Impuls, der auch nach der Sitzung noch für Gesprächsstoff sorgte, stand wie immer vor allem das Thema Wohnen im Zentrum der Diskussion. Die größte Zustimmung galt allerdings einem Bürgerbeteiligungspaket aus einer Eingabe der HEROES sowie Ergänzungen der anwesenden Versammlung. Beschlossen wurden mindestens einwöchige, per Losverfahren ausgewählte Pflichthospitanzen für amtierende Politiker in sozialen/gemeinnützigen Einrichtungen sowie die Entmachtung von magistratsnahen Bürgervereinen zugunsten progressiverer Verfahren direkter Demokratie.

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