Staatstheater Nürnberg
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Schauspiel

Ein Stein fing Feuer

„Die kahle Sängerin“, „Die Unterrichtsstunde“ und andere Texte von Eugène Ionesco

Regie: Jan Philipp Gloger

Sonntag, 25.11.2018

19:00 Uhr

Schauspielhaus

Abo D

Stückinformationen

Er gilt als der Meister des absurden Theaters. Die Zeit ist mehr als reif für eine Wiederentdeckung Ionescos, dessen Stücke schreiend komische, bitterböse Kämpfe um den Anspruch auf Macht, Wissen und Wahrheit sind und dabei von „alternativen Fakten“ nur so strotzen – bewusstseinsbildend, realitätssprengend und aktueller denn je.

Er gilt als der Meister des absurden Theaters. Die Zeit ist mehr als reif für eine Wiederentdeckung Ionescos, dessen Stücke schreiend komische, bitterböse Kämpfe um den Anspruch auf Macht, Wissen und Wahrheit sind und dabei von „alternativen Fakten“ nur so strotzen – bewusstseinsbildend, realitätssprengend und aktueller denn je.

Mr. und Mrs. Smith, ein gutbürgerliches Ehepaar in gutbürgerlicher Wohnwelt, unterhält sich in gutbürgerlichen Phrasen über gutbürgerliche Nichtigkeiten. Es klingelt und zu Besuch kommen Mr. und Mrs. Martin, deren Beziehungslosigkeit schon so weit fortgeschritten ist, dass es einer umständlichen Beweiskette bedarf, bis sich die beiden überrascht als verheiratetes Paar erkennen. „Wie seltsam! Wie sonderbar! Welch ein Zusammenspiel!“ Sogar ein Kind hat man miteinander, wie die akribische gegenseitige Nachfrage ergibt.

Die Welt scheint somit vorläufig wieder in Ordnung, bis durch das Auftauchen eines Feuerwehrhauptmanns neue Irritationen auftreten. Mit Vehemenz werden die offenbar drängenden Fragen der Zeit behandelt. Steht immer jemand vor der Tür, wenn es klingelt? Und was macht eigentlich „Die kahle Sängerin“? Die Absurdität der Dialoge steigert sich und artet aus in ein Happening aus Worten, eine Explosion von Silben und Buchstaben, in denen jeder Sinn sich selbst zersetzt und Fakten schon lange keine Rolle mehr spielen.

Als es wieder klingelt, steht eine junge, naive Schülerin vor der Tür, die beim gelehrten Professor ihre Allgemeinbildung vertiefen möchte. „Die Unterrichtsstunde“ beginnt harmonisch, eskaliert aber rasant, als die autoritäre Ignoranz des doppelpromovierten Professors auf die monströse Dummheit des Mädchens trifft.

Die Sprache in Ionescos Stücken, eingesetzt bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus, taugt als Instrument zur Wirklichkeitsbehauptung ebenso wie zur Zertrümmerung aller Gewissheiten. Worte, Sätze, Zeichen, Zahlen, Chiffren, Wahnsinn als Wortschwall. Wittgensteins Erkenntnis: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenze meiner Welt“ ist bei Ionesco immer präsent. In Zeiten von Fake News und alternativen Fakten gewinnt sein absurdes Theater ungeahnt neue Aktualität.

In „Ein Stein fängt Feuer“ beginnt die Suche nach Wahrheit und Erkenntnis in Ionescos bedeutendsten dramatischen Werken und setzt sich konsequent fort in exemplarischen Ausschnitten aus seinen persönlichen Schriften, – vor allem im Tagebuch (Journal en miettes) – sowie in seinen theoretischen Reflexionen zum Theater. Ein Abend, der uns mit dem Autor ebenso neu bekannt machen kann wie mit der Persönlichkeit Ionescos.
In Frankreich ist Ionesco übrigens nie aus der Mode gekommen. Das Theatre de la Huchette in Paris zeigt seit 1957, also mittlerweile seit über 60 Jahren, ununterbrochen seine Einakter „La cantatrice chauve“ und "La Lecon".

Regie

Jan Philipp Gloger

Bühne

Marie Roth

Kostüme

Karin Jud

Dramaturgie

Andrea Vilter

Musik

Kostia Rapoport

Zusätzliche Informationen

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