Staatstheater Nürnberg
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Schauspiel

Ein Stein fing Feuer

„Die kahle Sängerin“, „Die Unterrichtsstunde“ und andere Texte von Eugène Ionesco

Sonntag, 03.03.2019

19:00 - 21:10 Uhr

Schauspielhaus

Abo S3

SteinfingFeuer 07

Er gilt als der Meister des absurden Theaters. Die Zeit ist mehr als reif für eine Wiederentdeckung Ionescos, dessen Stücke schreiend komische, bitterböse Kämpfe um den Anspruch auf Macht, Wissen und Wahrheit sind und dabei von „alternativen Fakten“ nur so strotzen – bewusstseinsbildend, realitätssprengend und aktueller denn je.

Beschreibung

Er gilt als der Meister des absurden Theaters. Die Zeit ist mehr als reif für eine Wiederentdeckung Ionescos, dessen Stücke schreiend komische, bitterböse Kämpfe um den Anspruch auf Macht, Wissen und Wahrheit sind und dabei von „alternativen Fakten“ nur so strotzen – bewusstseinsbildend, realitätssprengend und aktueller denn je.

Mr. und Mrs. Smith, ein gutbürgerliches Ehepaar in gutbürgerlicher Wohnwelt, unterhält sich in gutbürgerlichen Phrasen über gutbürgerliche Nichtigkeiten. Es klingelt und zu Besuch kommen Mr. und Mrs. Martin, deren Beziehungslosigkeit schon so weit fortgeschritten ist, dass es einer umständlichen Beweiskette bedarf, bis sich die beiden überrascht als verheiratetes Paar erkennen. „Wie seltsam! Wie sonderbar! Welch ein Zusammenspiel!“ Sogar ein Kind hat man miteinander, wie die akribische gegenseitige Nachfrage ergibt.

Die Welt scheint somit vorläufig wieder in Ordnung, bis durch das Auftauchen eines Feuerwehrhauptmanns neue Irritationen auftreten. Mit Vehemenz werden die offenbar drängenden Fragen der Zeit behandelt. Steht immer jemand vor der Tür, wenn es klingelt? Und was macht eigentlich „Die kahle Sängerin“? Die Absurdität der Dialoge steigert sich und artet aus in ein Happening aus Worten, eine Explosion von Silben und Buchstaben, in denen jeder Sinn sich selbst zersetzt und Fakten schon lange keine Rolle mehr spielen.

Als es wieder klingelt, steht eine junge, naive Schülerin vor der Tür, die beim gelehrten Professor ihre Allgemeinbildung vertiefen möchte. „Die Unterrichtsstunde“ beginnt harmonisch, eskaliert aber rasant, als die autoritäre Ignoranz des doppelpromovierten Professors auf die monströse Dummheit des Mädchens trifft.

Die Sprache in Ionescos Stücken, eingesetzt bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus, taugt als Instrument zur Wirklichkeitsbehauptung ebenso wie zur Zertrümmerung aller Gewissheiten. Worte, Sätze, Zeichen, Zahlen, Chiffren, Wahnsinn als Wortschwall. Wittgensteins Erkenntnis: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenze meiner Welt“ ist bei Ionesco immer präsent. In Zeiten von Fake News und alternativen Fakten gewinnt sein absurdes Theater ungeahnt neue Aktualität.

In „Ein Stein fing Feuer“ beginnt die Suche nach Wahrheit und Erkenntnis in Ionescos bedeutendsten dramatischen Werken und setzt sich konsequent fort in exemplarischen Ausschnitten aus seinen persönlichen Schriften, – vor allem im Tagebuch (Journal en miettes) – sowie in seinen theoretischen Reflexionen zum Theater. Ein Abend, der uns mit dem Autor ebenso neu bekannt machen kann wie mit der Persönlichkeit Ionescos. In Frankreich ist Ionesco übrigens nie aus der Mode gekommen. Das Theatre de la Huchette in Paris zeigt seit 1957, also mittlerweile seit über 60 Jahren, ununterbrochen seine Einakter „La cantatrice chauve“ und "La Lecon".

Weitere Termine & tagesaktuelle Besetzung

Tagesaktuelle Besetzung am 03. März 2019

Herr Schmidt

Frau Schmidt

Herr Martin

Frau Martin

Mary / Marie

Feuerwehrmann

Schülerin

Zusätzliche Informationen

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Fotos
Foto(s) © Konrad Fersterer
Pressestimmen
Süddeutsche Zeitung

"Der Beginn der neuen Spielzeit ist zunächst verblüffend, weil sich seit wohl mehr als 20 Jahren kaum ein Theater mehr mit Ionesco beschäftigt hat. Kann man mit absurdem Theater noch eine heute relevante, künstlerische Aussage treffen? Es geht, und es geht erstaunlich gut."

  • Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung
Bayern2: kulturWelt

"Absolut unerwartet, dass Ionesco der Stein des Anstoßes für diesen spannenden Theaterabend war, nach dem man Feuer und Flamme ist für den neuen Nürnberger Schauspielchef und seine frisch zusammengewürfelte Truppe, in der bewährte Ensemblezugpferde wie Julia Bartolome oder Frank Damerius mit Neuzugängen wie Sascha Tuxhorn und Lisa Mies zusammenspielen, als würden sie sich schon ewig kennen."

  • Christoph Leibold, Bayern2 kulturWelt
Nürnberger Nachrichten

"Dass die Welt einem absurden Theater gleicht, hat man schon vorher geahnt. Jan Philipp Gloger hätte es sich zum Spielzeit-Auftakt auch leichter machen können, als einen in die Jahre gekommenen Klassiker des modernen Theaters wiederzubeleben. (...) Es geht um Kunst und Kommunikation, um Dichtung und Wahrheit, Schein und Sein, um Gott und die Welt - also um all das, was im Theater verhandelt wird. Insofern ein durchaus programmatischer, viel versprechender Auftakt."

  • Steffen Radlmaier, Nürnberger Nachrichten
Nürnberger Zeitung

"Wenn das keine gute Idee war: Den Sektempfang zur Premiere gleich - und dazu dramaturgisch sinnvoll - in das Stück mit einbauen! Und eine schöne, herzöffnende Geste allemal. (...) Ein glänzender Einstieg für (Jan Philipp Gloger). Wer kein Nashorn ist, wird sich amüsieren."

  • Wolf Ebersberger, Nürnberger Zeitung
nachtkritik.de

"Nürnbergs neuer Schauspieldirektor Jan Philipp Gloger ist offenbar ein furchtloser Mann. Zum symbolträchtigen Start in seine Amtszeit, die gleichzeitig das Spartenchef-Debüt ist, hat er ein 'Anti-Stück' und 'komisches Drama' aus jener Avantgarde-Ablage gewählt, die spontan denn doch eher Erinnerungen als Perspektiven beschwört. (...) Glogers Inszenierung mit dem Zitatenschatz-Kitt ist als spöttisches Spektakel angelegt, hat den schärferen Blick und den längeren Hebel für doppelten Boden."

  • Dieter Stoll, nachtkritik.de

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