Staatstheater Nürnberg
Predigt 04

„Aufführung einer gefälschten Predigt über das Sterben“ ist zu den Autorentheatertagen in Berlin eingeladen

Boris Nikitins Uraufführungs-Inszenierung von „Aufführung einer gefälschten Predigt über das Sterben“ am Staatstheater Nürnberg (Premiere: 28.09.2018) wurde zu den Autorentheatertagen in Berlin eingeladen. Das Gipfeltreffen der Gegenwartsdramatik und Entdeckerfestival für neue Stücke und Autoren findet in diesem Jahr vom 24. Mai bis 8. Juni 2019 am Deutschen Theater in Berlin statt. Aus der Vielzahl zeitgenössischer Theatertexte, die zwischen März 2018 und Februar 2019 zur Premiere gekommen sind, wurden zehn Stücke aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ausgewählt, die im Rahmen des Festivals erstmals als Gastspiele in Berlin zu sehen sind, darunter auch das Performance-Projekt von Boris Nikitin.

Weiteres Kernstück der Autorentheatertage sind die Uraufführungen dreier bereits im Dezember 2018 gekürter Theatertexte eines Stückewettbewerbs, die zum Ende des Festivals am 8. Juni 2019 in der Langen Nacht der Autorinnen aufgeführt werden. Darunter die Uraufführung von Eleonore Khuen-Belasis „ruhig Blut“, einer Koproduktion mit dem Schauspiel Graz in der Regie von Clara Weyde, die in dieser Spielzeit E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ am Staatstheater Nürnberg inszenieren wird (Premiere: 1. Juni 2019).

Im Rahmen des internationalen Auftaktwochenendes Radar Ost zeigt das Festival vom 24. bis 26. Mai darüber hinaus zeitgenössische Theaterabende aus Russland, Weißrussland, Tschechien, Ungarn und der Ukraine. Das detaillierte Festivalprogramm für die Autorentheatertage samt Radar Ost und Langer Nacht der Autorinnen wird im April veröffentlicht.

Am 28. September 2018 brachte der Regisseur, Autor und Programmmacher Boris Nikitin seine „Aufführung einer gefälschten Predigt über das Sterben“ in den Nürnberger Kammerspielen zur Uraufführung. Boris Nikitin, dessen international tourende Arbeiten die „Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit im zeitgenössischen Performancetheater auf eine neue Stufe [heben]“ (Theater der Zeit), nimmt für sein Projekt das Format der evangelikalen Predigt zum Ausgangspunkt. Gemeinsam mit einem Performer, einem Ensemble-Schauspieler und zwei Gospelchören aus der Region geht er der Frage nach, wie Verletzlichkeit zur Fähigkeit werden kann und das Ende zu einem Anfang.

Ein Gospelchor auf einer Bühne. Und zwei weitere Menschen. Der eine kommt mir bekannt vor, ein Schauspieler. Aber ist er hier als Schauspieler? Und der andere? Ein Prediger? Ist das dokumentarisches Theater? Nein. Oder? Was ist das hier? Eine Art Gottesdienst? Die Versammlung einer evangelikalen Sekte? Doch einfach Theaterfiktion? Boris Nikitins Stücke gehen an die Ränder des Theaters – und manchmal auch darüber hinaus. Er erkundet die Grenze zwischen (vermeintlicher) Realität und Fiktion, dem Dokument und dessen Fälschung und bevorzugt sprengt er diese Kategorien gleich ganz. Seine Arbeiten spielen mit Rhetorik, propagandistischen Formen, sind widerspenstig. Doch plötzlich entsteht ein durch und durch „wahrer“ Moment. Aber schon wird er wieder hinterfragt. Was für eine Wirklichkeit wird hier dargestellt – nein, hergestellt?

„Erst da, wo ich sterben kann – da, wo ich also leben kann, weil ich nicht mehr leben muss – da beginnt das Politische.“ So formuliert Boris Nikitin einen der Gedanken, die für die Konzeption der „Aufführung einer gefälschten Predigt über das Sterben“ entscheidend sind. Aus biografischem Anlass und teils auch Material (auch des Performers Malte Scholz) entfaltet sich eine predigthafte Reflexion über das Sterben und seine Potentialität. In der vielleicht größtmöglichen Selbstermächtigung, dem Annehmen des unvermeidlichen Endes, liegt ein entschiedener und entscheidender Anfang. Möglicherweise sind erst jetzt, unter bewusstem Einsatz der eigenen Verletzbarkeit, souveräne Entscheidungen möglich. Was für ein schöner und eigentlich einfacher Gedanke, den die englische Sprache schon im Wort für Verletzbarkeit auf den Punkt bringt: vulner-ability. Was ist diese Fähigkeit, sich verletzbar zu machen, Verletzung auszuhalten, zu bejahen, Kraft aus ihr zu ziehen? Welche Möglichkeiten, Potentiale setzt sie frei? Kann es erst hier richtig politisch werden, da wo die größtmögliche Entschiedenheit entstehen kann? Geht das nur am Ende oder auch mittendrin? Und ist das Predigt? Propaganda? Oder eben doch Theater?

Gemeinsam mit dem Schauspieler und Theatermacher Malte Scholz stehen in der Inszenierung von „Aufführung einer gefälschten Predigt über das Sterben“ das Ensemblemitglied des Staatstheaters Nürnberg Yascha Finn Nolting sowie der Veitsbronner Gospelchor „Vo!ces“ und der Nürnberger Gospelchor unter der Chorleitung von Jovana Wolf und Rebekka Deckart auf der Bühne der Kammerspiele.

Weitere Informationen zu den Autorentheatertagen unter: https://www.deutschestheater.de/programm/a-z/autorentheatertage_2019

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