Premieren 2014/2015

 

GESPRÄCH MIT STAATSINTENDANT UND OPERNDIREKTOR PETER THEILER



Wie würden Sie diese Spielzeit übertiteln?

Viele Titel der kommenden Saison würden unter ein Spielzeitmotto „Mythen und Märchen“ passen: in „Turandot“ entscheidet die Lösung des Rätsels der Prinzessin über Leben und Tod; „Hänsel und Gretel“ ist die Märchen-Parabel über das Erwachsenwerden schlechthin; „Fausts Verdammnis“ erzählt vom verhängnisvollen Packt mit dem Teufel; „König Roger“ verhandelt den Konflikt zwischen überlieferter Ordnung und Moral und der Alternative eines hedonistischen, sinnenfrohen Lebens; „Siegfried“ thematisiert nichts Geringeres als die Erlösung der Welt, und selbst die Auftragsoper „Quai West“ ist in einem mythischen, verlorenen Ort angesiedelt, dabei fast ein Antimärchen wie die Sterntaler-Erzählung in Büchners „Woyzeck“. Aber diese thematischen Zusammenhänge haben sich eher zufällig ergeben.
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Was sind denn die Grundlagen für Ihre Stückauswahl?

Für die Konzeption des Spielplans sind eben andere Dinge entscheidend. Das ist zum einen die Fortsetzung thematischer Reihen und musikalischer Traditionen, die wir über mehrere Jahre verfolgen. Zum anderen ist ein wichtiger Aspekt der Spielplangestaltung aus der Schatzkiste der Opernliteratur die Werke auszuwählen, die die Stimmen der Sängerinnen und Sänger unseres Ensembles optimal zur Geltung bringen.

In welchem Zusammenhang stehen die Neuproduktionen 2014 / 2015 zum saisonübergreifenden Spielplankonzept für die Nürnberger Oper?

Natürlich setzen wir erst mal mit „Siegfried“ Georg Schmiedleitners und Marcus Boschs „Ring“-interpretation fort; „Ein Maskenball“ ist ein weiterer Baustein in unserem Verdi-Repertoire; mit Berlioz‘ „Fausts Verdammnis“ greifen wir einmal mehr ein Werk der französischen Oper heraus, das in diesem musikalischen Kosmos eine Sonderstellung ein-nimmt; mit „König Roger“ von Karol Szymanowski setzen wir unsere Reihe der slawischen Opern fort; in der Serie der Mozart / da Ponte-Opern folgt dem „Don Giovanni“ nun „Die Hochzeit des Figaro“.

Gerade bei Wagners „Ring“ sind die Anforderungen an die Sänger enorm. Welche Sänger des Ensembles haben Sie dafür vorgesehen?

An dieser Stelle kann ich nur einige Beispiele nennen: Es liegt zunächst mal auf der Hand, dass unser Heldentenor Vincent Wolfsteiner nach seinem überzeugenden Tristan-Debüt, Loge und Siegmund hier in Nürnberg jetzt auch den Siegfried angeht. Darüber hinaus hat unser koreanischer Bariton Antonio Yang bereits in der Partie des Alberich und als „Walküren“-Wotan tiefen Eindruck hinterlassen, den Göttervater wird er also auch im dritten Teil der Tetralogie geben. Die britische Sopranistin Rachael Tovey konnten wir für den „Ring“ als Brünnhilde enger an unser Haus binden. Sie hat hier ja bereits in der Titelpartie der „Elektra“ mit ihrem hochdramatischen Sopran sowohl mit Durchschlagskraft als auch der Fähigkeit zu zartestem Pianissimo begeistert. Das macht sie natürlich auch im italienischen hochdramatischen Fach, z. B. für eine Turandot, zur idealen Besetzung.

Warum fiel die Wahl auf „König Roger“?

Mit dieser Oper erweitern wir unsere slawische Werkreihe nach zwei tschechischen Opern ins polnische Repertoire. Meine Neugier treibt mich ja immer wieder dazu, Unbekanntes in der Opernliteratur zu entdecken, und die polnische Oper kennt man hierzulande kaum. Da fügt sich Szymanowskis Werk hervorragend in die Schiene ein. Zudem haben wir mit Mikolaj Zalasinski einen polnischen Heldenbariton am Haus, der über alle stimmlichen Mittel und die Muttersprache verfügt, diese Herrscherfigur facettenreich und überzeugend zu gestalten.

Zum finalen Saisonhöhepunkt gibt es Mozart, ...

… weil ich der Meinung bin, dass Mozart nicht nur Gold für die Kehle ist, sondern auch ein musikalisches und dramaturgisches Genie war – gesangstechnisch oft unterschätzt –, dessen Werke daher in keinem Spielplan fehlen dürfen. Und wir können die Partien in „Die Hochzeit des Figaro“ ideal aus unserem wunderbaren Ensemble besetzen.

2014/2015

Samstag, 04. Oktober 2014, Opernhaus

Turandot

Musik von Giacomo Puccini
Sonntag, 02. November 2014, Opernhaus

Hänsel und Gretel

Oper von Engelbert Humperdinck
Samstag, 22. November 2014, Opernhaus

Fausts Verdammnis - La Damnation de Faust

Dramatische Legende in vier Teilen von Hector Berlioz
Samstag, 17. Januar 2015, Opernhaus

Quai West

Oper von Régis Campo
Samstag, 14. Februar 2015, Opernhaus

Singin' in the rain

Nacio Herb Brown
Samstag, 14. März 2015, Opernhaus

Król Roger

Oper in drei Akten von Karol Szymanowski
Sonntag, 19. April 2015, Opernhaus

Siegfried

Oper von Richard Wagner
Samstag, 06. Juni 2015, Opernhaus

Ein Maskenball - Un Ballo In Maschera

Melodramma in drei akten von Giuseppe Verdi
Samstag, 27. Juni 2015, Opernhaus

Le nozze di Figaro - Die Hochzeit des Figaro

Opera buffa in vier Akten von Wolfgang Amadeus Mozart