Premieren

 
Das Gespräch mit Staatsintendant und Operndirektor Peter Theiler führte Verena Kögler.

Außergewöhnliches zeigen


Das Wagner/Verdi-Jahr ist in Nürnberg eingeläutet worden mit den Neuproduktionen von "Der Troubadour" und "Tristan und Isolde". Legt das Staatstheater zu Beginn der nächsten Spielzeit noch einmal nach?

Ja, natürlich: Wir starten in die neue Spielzeit mit Verdis "Othello", seinem Spätwerk, und beginnen mit "Das Rheingold" und "Die Walküre" einen neuen Ring-Zyklus.

Warum muss es kurz vor dem Ende des Wagner-Jahres "Der Ring des Nibelungen" sein? ... [mehr]

Weil es das ehrgeizigste Wagner-Projekt ist, das man angehen kann. Als Intendant träumt man davon, einmal den "Ring des Nibelungen" machen zu können. Es ist ein Weltendrama mit Bezug zu unserer Zeit, da ist so viel drin enthalten: Bedrohung von Natur und Zivilisation, Ausbeutung der Ressourcen, pervertiertes Profitstreben, Geiz, Gier und Gewinn, Abhängigkeiten, Lügen, Betrug, Zerstörung auf sozialer Ebene - die Welt nimmt Schaden. Alles verpackt in ein riesiges Märchen! An Wagner, bei all seiner Fragwürdigkeit, fasziniert ja auch sein Mut zum Gigantischen, seine Anstrengung, die Grenzen des Möglichen auszuloten, nach den Sternen zu greifen. Da wird der Romantiker plötzlich zum Kritiker des fortschrittsgläubigen 19. Jahrhunderts; Projekte wie der "Ring" haben eine ungeheure Sprengkraft. Das ist doch letztlich das Streben der Kunst: Utopisches, Außergewöhnliches zu zeigen, mit menschlichen Mitteln. Genial!

Wer sind die Kräfte in Nürnberg, die Wagners "Ring" schmieden werden?

Für ein Großprojekt solcher Dimension braucht es natürlich eine Vertrauensbasis, die sich in mehrjähriger Zusammenarbeit entwickelt. Generalmusikdirektor Marcus Bosch und Regisseur Georg Schmiedleitner kennen sich bereits aus zwei Produktionen und sind bestens aufeinander eingespielt. Und mit Vincent Wolfsteiner, der auch Othello singen wird, haben wir einen echten Heldentenor im Ensemble, der Loge in "Das Rheingold" und Sigmund in "Die Walküre" singen wird. Ekaterina Godovanets übernimmt Sieglinde, Randall Jakobsh den Wotan in "Das Rheingold". Es wird ein Großteil des Ensembles dabei sein, denn ich bin ein großer Verfechter des Ensemblegedankens.

Dem gigantischen Ring-Projekt setzen Sie eine Grand Opéra von Giacomo Meyerbeer entgegen. Wie gehören diese großen Projekte zusammen?

Ich bin ein Freund der französischen Grand Opéra. Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Werke von "Nicht-Franzosen" wie Donizetti ("Dom Sébastien") und Rossini ("Wilhelm Tell"). Der deutsche Komponist Meyerbeer gehört auch dazu, gerade seine Werke gelten als Inbegriff der Gattung Grand Opéra. Giacomo Meyerbeer hatte Wagner in Paris unterstützt; später wurden er und seine Musik vom Antisemiten Richard Wagner nachhaltig verunglimpft. Gerade da unser Opernhaus in Nürnberg am Richard-Wagner-Platz steht, ist das der richtige Ort, um Meyerbeer zu rehabilitieren. Dass wir uns für "Die Hugenotten" entschieden haben, hat natürlich auch mit der Region zu tun. Viele Protestanten, die nach 1572 aus dem katholischen Frankreich geflohen waren, haben sich in Mittelfranken niedergelassen. Darüber hinaus ist die Konfrontation der religiösen Gegensätze interessant; eine Grundfrage, die uns bekanntlich auch im 21. Jahrhundert intensiv beschäftigt.

Dieser Bezug zur Region und ihrer Geschichte spiegelt sich auch in Ihrem Programm der Oper wider. Sie haben dazu Leitlinien entwickelt, wie die Gegenüberstellung von Werken Richard Strauss’ mit denen seiner jüdischen Zeitgenossen, aber auch die Serie von Werken, die die Frage des Zionismus behandeln, begonnen mit "Moses und Pharao". Wie werden diese Linien weiterverfolgt?

Auch Meyerbeers Werke gehören in die Reihe der von den Nationalsozialisten als entartet diffamierten und mit Aufführungsverbot belegten Stücke. Und die Neuinszenierung von Strauss‘ "Arabella" ist in dieser Reihe insofern ein besonderes Werk, als es 1933 uraufgeführt wurde. Die Reihe jüdisch-alttestamentarischer Stoffe findet ihre Fortsetzung in der Zusammenführung von Händels Oratorium "Judas Maccabäus" und "And The Trains Kept Coming" des jungen israelischen Komponisten Lior Navok. Dabei werden zwei Aspekte des jüdischen Schicksals gegenübergestellt: Bei Navok die Vernichtung des jüdischen Volkes in der Shoa, bei Händel der Wille zur Selbstverteidigung in "Judas Maccabäus".

2013/2014

Samstag, 05. Oktober 2013, Opernhaus

Othello

Dramma lirico in vier Akten von Giuseppe Verdi
Samstag, 02. November 2013, Opernhaus

Funny Girl

Musical von Isobel Lennart (Text), Jule Styne (Musik) und Bob Merrill (Songtexte)
Samstag, 30. November 2013, Opernhaus

Das Rheingold

von Richard Wagner
Samstag, 11. Januar 2014, Kammerspiele

Cherubino mischt sich ein oder Die verflixte Sache mit der Liebe

Kinderoper nach Wolfgang Amadeus Mozart
Samstag, 01. Februar 2014, Opernhaus

Arabella

Oper von Richard Strauss
Sonntag, 23. Februar 2014, Opernhaus

Judas Maccabäus / And The Trains Kept Coming...

Oratorien von Georg Friedrich Händel und Lior Navok
Samstag, 05. April 2014, Opernhaus

Die Walküre

Oper von Richard Wagner
Sonntag, 15. Juni 2014, Opernhaus

Die Hugenotten - Les Huguenots

Oper von Giacomo Meyerbeer